Georg Rudolph Text & Konzept / Kreative Unternehmenskommunikation

Zopfrock

Ja, wir waren jung. Wir legten die Kassetten mit dem Heavy Mix in den Cassettenrecorder, holten die Luftgitarren aus den Hosen und fuddelten uns mit den Helden des Leadgitarrismus unseren pubertistischen Pathos aus dem Leib: Den Zorn der Jugend. Die Pose gegen das Establishment. Den Lärm der Gefühle. Den Schrei nach Liebe. Und das Besondere an uns: keine andere Generation Heranwachsender hatte eine so große Auswahl an frisch erfundenem Metal und ähnlichen Röcken, um ihr Testosteron zu musikalisieren, wie wir in den 80ern. (Von den vielen anderen Musikstilen, wie New Wave, NDW, House, Synthidance, Funk und und soll hier gar nicht die Rede sein.) Gerne erinnere ich mich an euch alle: an KISS und AC/DC, DEEP PURPLE und RUSH, IRON MAIDEN und BLACK SABBATH, WHITESNAKE und JOE SATRIANI, DREAM THEATRE und METALLICA, GENESIS und DIO und wie Ihr alle heisst, die ihr uns in so vortrefflicher Manier dabei geholfen habt uns von der Kindheit zu verabschieden. Danke für den herrlichen Krach von damals. Aber jetzt sind wir erwachsen. Und das seit 20 Jahren.

Und Ihr? Rockmusiker? Warum ziehen sich so viele von euch immer noch Leberwursthosen an, hängt euch Pimmelinstrumente vors Gemächt und schrubbelt Verzerrtes aus euren Lenden. Freunde, ihr müsst doch alle mindestens schon 60 sein? Wollt ihr ewig rocken, dass die Falten krachen? Das beschämt uns reife, emotional gefestigte Männer, die wir ja gerne mit Attitüde erwachsen geworden sind. Aber wollen wir mit der gleichen Haltung auch noch alt werden?

Moi, non.

Wann schneidet Ihr ihn endlich ab, den Zopf von damals, den Rock? Wie soll das enden mit der Rockmusik? Als Diddlmaus der Musikattitüden? Das hat sie wahrlich nicht verdient. Seht euch den Keith und den Mick an. Die diddeln, pardon, dudeln seit 50 Jahren immer das Gleiche. Die Spießer, die alten.

Es ist so einfach, sich selbst treu zu bleiben. Vielleicht ist es das Einfachste von Allem.