Georg Rudolph Text & Konzept / Kreative Unternehmenskommunikation

Wahrer Luxus

Heute war der erste, echte warme Sonnentag des Jahres. Und ich war an meinem freien Tag nicht draussen. Nicht, weil ich wegen Wichtigerem als dem Wetter, also wegen Pflichten oder ähnlichem, nicht konnte. Sondern, weil ich nicht wollte. Ich blieb drin. Ich habe lieber alle Fenster aufgemacht und gestaubsaugt. Wäsche gewaschen. Aufgeräumt. Gesurft. Den Nachbarn, die sich neben meinem Küchenfenster sonnten, einen Kaffee gekocht (mir natürlich auch). Ich hab ab und zu meine Nase aus dem Fenster gesteckt, dabei gedacht: Mann, was für ein schöner Tag und danach zum Beispiel Staub gewischt. Wenn es regnet wische ich nie Staub, ich würde stattdessen eher den Müll rausbringen. Nicht zuletzt wegen der wenigen und daher angenehmen Regentropfen, die mich beim Zur-Mülltonne-hechten träfen. Denn Müll rausbringen, das muss sein, auch an Regentagen. Aber Staub wischen, wenn es regnet. Das wäre doppelte Depression. Okay, nach drei, vier Wochen muss auch Staubwischen mal sein. Aber eine Woche Kulanz, die darf dieser langweilige, muffige, dümmliche Wischiwischischmonzes haben. Staub wische ich darum am liebsten am ersten schönen Tag im Jahr. Wenn alle draussen sind. Sich alle im englischen Garten selbstgefällig und narzistisch auf die Füsse treten. Und alle nur Sexyness simulieren, weil ein Tag Sonne für das Erzeugen echter Frühlings-Hormonwallungen gar nicht reicht. Pseudosexyness. Bäh. Dann lieber putzen bei strahlendem Sonnenschein. Das würde ich übrigens auch tun, wenn ich zufällig ein Maserati-Cabriolet für eine Spritztour zur Verfügung gehabt hätte. Nicht weil ich generell was gegen teure Autos habe, sondern weil wahrer Luxus eben Hausputz bei Sonnenschein ist. An dieser Stelle ein Toast auf alle Nerds, die bei strahlendem Sonnenschein lieber das Cabrio sauber machen, als lüften zu fahren.