Vom Pop überrascht.
Zack.
Da war mal wieder einer. Ein Popsong, der mich überascht hat. Seit langem. Welch ein schönes Erlebnis.
Ich mach das viel zu selten: Musiksurfen und Clipyoutuben.
Ausgangspunkt war ein Feuilltonforum auf zeit/faz/suedd.de. Da wurden Earl Greyhound als toll “versponnene” neue Psycho/Progrock Formation aus NYC erwähnt. Psychprogrock aus NYC im 21 Jahrhundert: entweder das ist 100% Retro oder so avantgardistisch, dass besagter Feuilltonist vor Hilflosigkeit verstaubte Schubladen bemühen musste. Mein Reinhörurteil: 100% Retro. Aber die Musik kracht und hat Witz.
Aber das war erst der Anfang. Die echte Überraschung kam noch. Die drei Greyhounder spielten nämlich Live in 89,3 THE CURRENT, einem Radiosender mit Tonstudio und ein paar Kameramännern, die die Musiker live filmen, was dann auf youtube angesehen werden kann.
Und dort spielten auch besagte Überraschungspopper.
Lookbook.
Ein Mann und ein Mädel, die minimal dancy-Synthiepop-songs mit 80er Jahren Effekt-Gitarren und extrovertieretem Gesang mischen. Doch es geht weniger um den Song auf 89,3 The Current: “The only Ones” sondern um das Musikvideo “Over an Over”, das auch auf Youtube zu sehen ist:
LOOKBOOK “OVER AND OVER” IST ENDLICH MAL WIEDER EIN SYNTHIEPOPLIED MIT EINER ECHTEN MUSIKALISCHEN IDEE.
Erstmal blubbert eigentlich nur ein Bass und ein Sequenzer, pockert irgendwann ne Bassdrum dazu und das Mädel singt eben. Das ganze läuft dann zwei Minuten lang im uptempo ganz spannungsvoll daher und wird dabei ein wenig dichter durch flächen und atmosphörensounds. Das alle wäre nichts besonderes - und scheint vielen anderen popsongschreibern auch zu genügen, solange es lecker produziert klingt. Aber bei “Over ans Over” passiert noch was! ES passiert noch. Das eigentliche. Ein Popsong, dem es selber zu kommen scheint. Wie Weiland ab und an bei den Pet-Shop Boys oder TalkTalk: grosse Gefühle in zwei Minuten (Coldplay kann das auch)
Ich liebe es jedenfalls:
Nach 2 Minten fällt der Track ins Nichts: die Maschinen verstummen, Engführung sagt der Fachmann glaub ich, und dann wird schlagartig aus einem normalen Synthiesong eine echte Pophymne: denn die komponierte Maschinenverstummung eruptiert in ein gesangsmotiv-getragenes Soundgewitter, eine orgiastische Popexplosion von 40 Sekunden. Dann ist das Lied fertig: mit einem SCHLUSS. Einem echten musikalischen Schluss. Und keiner ekeligen Radiomoderatoren-in-den-arsch-kriech-Ausblendung.
So. Jetzt geh ich auf youtube und hörs mir nochmal an.
Danke Lookbook.
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