Georg Rudolph

Nov 15

Was mein Werbetexter Blog mit Popmusik zu tun hat…

…frage ich mich gerade. Schließlich sind wir hier auf einer Werbetextersite und Sie könnten ein seriöser Kunde sein, der z.B. eine 200seitige Website, Broschüren, Whitepaper oder PR-Texte braucht und bestimmt nichts über Musik lesen will.

Stimmt.

Sie brauchen Sicherheiten. Denn ein Konzept und Texte kosten Geld. Sie wollen spüren: der Mann versteht sein Handwerk. Der weiss was er tut. Sie wollen verstanden werden: Denn nichts ist schlimmer als ein Dienstleister, der sich nicht für seine Kunden interessiert. Sie suchen individuelle Kommunikations-und Werbelösungen, die Sie vom Wettbewerb unterscheiden und kein Musikblabla.

Stimmt alles. Und je richtiger mein hier Blog wird, desto langweiliger wird er.

Darum will ich es jetzt kurz machen:

Ein echter Werbefuzzi kann ihnen und Ihren Kunden mit seinem Werbeblabla die Hütte zutexten und Sie haben gar nix davon.

Darum texte ich hier für die Suchmaschinen. Es muss, was die Begriffe Werbetexter, Werbung und Konzept (hallo google!!!) angeht einfach was passieren auf meiner Website, sonst ignoriert mich google. Und da streue ich hin und wieder halt was anderes ein. Aber über das Werbetexten (hallo google!!!) selbst zu texten geht definitiv nicht auf hohem Niveau. Denn gute Werbung (hallo google!!!) ist immer so speziell, wie der Auftrag des Kunden.

Als Werbetexter (hallo google!!!) allgemein über Werbung (hallo google!!) zu reden ist Käse. Es gibt nur individuell gute Werbung (hallo google!!). Und die entsteht nur, wenn ich Ihre Ziele, Themen und Produkte kenne.

Erfolg ist immer irgendwie speziell. Das gilt grundsätzlich für Werbetexte, Konzepte und Werbung generell (hallo google!!). Und vor allem für Popsongs.

Vom Pop überrascht.

Zack.

Da war mal wieder einer. Ein Popsong, der mich überascht hat. Seit langem. Welch ein schönes Erlebnis.

Ich mach das viel zu selten: Musiksurfen und Clipyoutuben.

Ausgangspunkt war ein Feuilltonforum auf zeit/faz/suedd.de. Da wurden Earl Greyhound als toll “versponnene” neue Psycho/Progrock Formation aus NYC erwähnt. Psychprogrock aus NYC im 21 Jahrhundert: entweder das ist 100% Retro oder so avantgardistisch, dass besagter Feuilltonist vor Hilflosigkeit verstaubte Schubladen bemühen musste. Mein Reinhörurteil: 100% Retro. Aber die Musik kracht und hat Witz.

Aber das war erst der Anfang. Die echte Überraschung kam noch. Die drei Greyhounder spielten nämlich Live in 89,3 THE CURRENT, einem Radiosender mit Tonstudio und ein paar Kameramännern, die die Musiker live filmen, was dann auf youtube angesehen werden kann.

Und dort spielten auch besagte Überraschungspopper.

Lookbook.

Ein Mann und ein Mädel, die minimal dancy-Synthiepop-songs mit 80er Jahren Effekt-Gitarren und extrovertieretem Gesang mischen. Doch es geht weniger um den Song auf 89,3 The Current: “The only Ones” sondern um das Musikvideo “Over an Over”, das auch auf Youtube zu sehen ist:

LOOKBOOK “OVER AND OVER” IST ENDLICH MAL WIEDER EIN SYNTHIEPOPLIED MIT EINER ECHTEN MUSIKALISCHEN IDEE.

Erstmal blubbert eigentlich nur ein Bass und ein Sequenzer, pockert irgendwann ne Bassdrum dazu und das Mädel singt eben. Das ganze läuft dann zwei Minuten lang im uptempo ganz spannungsvoll daher und wird dabei ein wenig dichter durch flächen und atmosphörensounds. Das alle wäre nichts besonderes - und scheint vielen anderen popsongschreibern auch zu genügen, solange es lecker produziert klingt. Aber bei “Over ans Over” passiert noch was! ES passiert noch. Das eigentliche. Ein Popsong, dem es selber zu kommen scheint. Wie Weiland ab und an bei den Pet-Shop Boys oder TalkTalk: grosse Gefühle in zwei Minuten (Coldplay kann das auch)

Ich liebe es jedenfalls:

Nach 2 Minten fällt der Track ins Nichts: die Maschinen verstummen, Engführung sagt der Fachmann glaub ich, und dann wird schlagartig aus einem normalen Synthiesong eine echte Pophymne: denn die komponierte Maschinenverstummung eruptiert in ein gesangsmotiv-getragenes Soundgewitter, eine orgiastische Popexplosion von 40 Sekunden. Dann ist das Lied fertig: mit einem SCHLUSS. Einem echten musikalischen Schluss. Und keiner ekeligen Radiomoderatoren-in-den-arsch-kriech-Ausblendung.

So. Jetzt geh ich auf youtube und hörs mir nochmal an.

Danke Lookbook.

Oct 12

Ach ja, der Dschäs.

Pop ist, wenn es poppt. Rock ist, wenn es kracht. Und Jazz ist, wenn es …. Ja was eigentlich? Ein Jazzfan würde vielleicht sagen: Jazz ist Gefühl: Gefühl vom Musiker durchs Instrument spürbar gemacht. Das stimmt. Das stimmt aber auch für Pop (Computer) und Rock (Verstärker). Und Klassik (Instrument plus Epoche plus Komponist) sowieso. Der Rock fühlt dabei: Körper, Energie und Kraft. Den Altruismus Stärke also. Pop braucht auch Gefühl. Ohne Gefühl ist Pop nicht wirklich Pop, weil unsexy. Denn Pop muss ja vor allem sexy sein: Sexy Melodien, sexy Stars, sexy Verkäufe. Im Idealfall alles drei gleichzeitig. Schnellen Sex vor allem: poppt einPopsong gut, ist er zwei Monate später wieder weg. Dann kommt der nächste Popp. Der Rock tut bloß so, als wär er sexy. Rockmusik ist eine Attitüde, nein, besser: der Rockmusiker macht aus allem, was kracht (meistens ist es Wut) eine Attitüde. Und der Jazz? Hat der keine Attitüde? Im Idealfall nicht, nein. Hat er Sex? Nur im Gehirn vielleicht, aber Kopfsex ja nur interessant, wenn es dabei auch noch woanders poppt oder kracht. Und wenn Jazz zu sehr poppt oder kracht, ist es ja auch kein Jazz mehr. Mit Virtuosität des Künstlers braucht mir hier auch niemand zu kommen. Virtous sind alle, die in ihrem Job gut sind. Meine Oma beispielsweise hat 20 Jahre auf einem kaputten Herd die wunderbarsten Kalbshaxen und Mehrschichichttorten gezaubert. Das war virtuos, kann ich sagen. Was also ist der Jazz? Ist er Reinheit? Persönlichkeit? Individualismus? Ja. Nein. Vielleicht. Blabla.

Was kein Blabla ist, sind die ersten drei Sätze dieses kleinen Textes. Denn will man die zwei, drei großen Haltungen des postmodernen Musikers irgendwie zu fassen kriegen, dann können es die Worte Sex (Pop) und Krach (Rock) ganz gut. Das mag für viele eindimensional klingen. Das ist es auch. Aber das macht es noch lange nicht banal. Denn wenn es um die Haltung geht, mit der man etwas im Leben tut, dann sollte das nicht zu kompliziert sein, sonst ist es ausgedacht, überlegt, erdacht und aufgesetzt. Und nicht mehr echt, authentisch, ehrlich. Und damit keine Haltung, sondern Konzept. Und als Musiker bei etwas so verdammt schwierigem, wie Musik eine Haltung zu entwickeln, die irgendwie zu überraschendem Klang wird, ist dreimal schwer. Was ist nun mit dem Jazz? Ist Jazz also vielleicht Spontaneität? Überraschung? Auch nicht. Jede Musik, die zu wenig überraschend ist, ist langweilig. Und tolle Popmelodien und Rockriffs können ihre Macher und Fans genauso spontan überraschen, wie ein Jazzmusiker den Jazzfreund. Ich bestätige hier und heute etwas, was viele Jazzfreunde auch sagen. Allerdings mit einem unangenehmen Zusatz. (Was den gediegenen Jazzliebhaber jetzt vielleicht etwas schräg gucken lassen mag.) Ich sage: Jazz ist Freiheit – die leider nicht genutzt wird. Dabei geht es hier nicht, um ein Loblied auf Free Jazz. Wer sagt, er mache Free Jazz, ist ja nicht mehr frei, denn der steckt automatisch in der John Coltraine etc. Schublade. Es geht hier um die Haltung, mit der Jazzmusik generell gemacht werden könnte. Da hat der Free Jazz Musiker die Nase zwar vorn, aber nur solange, bis er sich klanglich als Free Jazz kategorisieren läßt. Was der Jazz wirklich vermag ist, mit Hilfe des Wortes “Jazz” Musik zu benennen, die vollkommen neu und ungehört sein kann. Musik, die komplett anders ist, als alle Musik, die es bisher gab. Wenn im Jazz etwas angeblich “Neues” hörbar wird, dann liegt das an der Fingerfertigkeit oder Persönlichkeit oder Gefühlsintensität des Jazzmusikers. Und die sollte bitte jeder haben, der ein Instrument spielt. Dabei ist der Jazz ist die einzige Musikform, die sich ALLES erlauben kann. Oder besser: erlauben könnte. Was den musikalischen Ausdruck angeht, schaffen das auch viele Jazzer. Was die klangliche Substanz der Musik angeht bedient der Jazz-Musiker aber genauso viele Hörgewohnheiten, wie ein Pop- oder Rockmusiker. Der Jazz, den ich kenne, der fuddelt irgendwann, irgendwie um 1000 mal gehörte Jazzskalen und -harmonien herum, raschelt mit den Becken und Snares und walkt mit dem Kontrabass. Das einzige, was unterscheidbar ist, ist der Musiker. Nicht der kompositorische Gehalt, die Haltung hinter der Klangerzeugung. Und damit ist der Jazz dem Pop näher, als ihm lieb ist: Jazz ist für den Jazzfreund Pop. Dass sich der Jazz viel viel mehr erlauben könnte ist die Chance, die er nicht wirklich nutzt. In jedem Jazzakkord, in jeder Jazz-Skala, die gespielt wird, steckt die vergebene Chance echter (musikalischer) Freiheit. Das macht den Dschäs für mich zu dem größte “Schade” der (musikalischen) Menschheitsgeschichte. Und darum höre ich lieber Pop, den finde ich wahrhaftiger. (Rock nicht, weil ich die Attitüde pubertär finde.) Und Electronica natürlich.

Jazz ohne “Schade” wäre vielleicht das: Wer es eines Tages schafft, sagen wir mal: atmosphörisch-niederfrequente Störungen mit Kuhmelkgeräuschen so zu vermählen, dass dabei soetwas wie “als Musik erkennbarer Klang” herauskommt, der darf immer sagen, er mache Jazz und dann bis ans Ende seines Lebens darüber schweigen. Und wenns toll, schön, spannend oder wie auch immer “gut” klingt, wäre das auch voll okay. So etwas wie Kuhmelkatmosphärenmusik ist aber schwer zu kreeiren. Viel schwerer als Fingerfertigkeit und empathischer Ausdruck. Denn dazu braucht es eine Haltung, die tatsächlich FREI ist. Die größte momentan hörbare Freiheit des Jazz ist der Griff in die riesige Spielkiste der Musik (ob bewusst oder unbewusst ist dabei fast egal). Den Jazz (und damit die Musik überhaupt) voranbringen tut es nicht. Da kann der Jazzmusiker noch so virtuos und tieffühlend Tradiotional Jazz interpretieren oder Elemente des Rock, Pop, Blues, Latin, Soul, Hip Hop, Klassik, Elektronica und weiss der Kuckuck was benutzen: Hört man einen Musikstil, sind die Schubladen da. Basta.

Ausser, es ist Musik, die wirklich noch nicht gehört wurde. Und trotzdem Musik ist. Und die soll erstmal einer spielen. Mir fallen da wirklich nur drei Jazzmusiker ein, die das - oft auch nur zum Teil - getan haben: John Cage, Miles Davis und John Coltraine.

Der Jazz ist momentan soweit davon entfernt “freie Musik” zu sein, wie der Pop oder der Rock. Dass er auf traditionellen Instrumenten gespielt wird, macht die Sache nicht leichter. Kriege mal einer aus einem Klavier/Kontrabass/Schlagzeug etc. einen Klang raus, der tatsächlich in KEINE Schublade einzuordnen ist. Nicht, dass das vielleicht nicht ginge. Aber der Elektronikmusiker/Computermusiker, hat es da leichter, der steckt aber auch in seiner Schublade drin.

Erfinde doch mal einer ein paar neue Musikinstrumente bitte. Und spiele sie dann so, dass es nicht nach Dschäs klingt.

Das würde dann wirklich jazzen.

So. Das musste mal gesagt sein.

Sep 21

Wer ist gerade auf google Werbetexter Nummer 1 in München?

Tsh, tsh. Da macht man mal einen Monat nix auf seiner Website und schon rutscht die Konkurrenz an einem vorbei.

Dafür ist plötzlich dieser Blog beim Suchbegriff Werbetext Konzept München auf Seite eins.

Und mein Profil Werbetext und Konzept München auf der Mittelstandswebsite ist unter Werbetexter München jetzt von Seite 4 auf 2 gerutscht. Und das bloß weil mich ein Kunde beurteilt hat.

Diese Robots soll einer verstehen.

lalala. schubidubidu.

Wird mal wieder Zeit für ein menschenfreundliches Posting.

Sep 16

Reden mit den Robots, die zweite.

So, jetzt habe ich einen Monat meine Website mal in Ruhe gelassen. Der Effekt: Unter “Werbetext Konzept München” bin ich nur eine Stelle tiefer gerutscht - meine Konkurrenz steht immer noch hinter mir.

Zuletzt hatte ich nur mal eben schnell ein paar meta-tags mit dem Keyword “Werbetexter München” ausgestattet. Und siehe da: meine Website hat sich bei diesem Obersuperwichtig Keyword von Seite 9 auf Seite 4 verbessert. Diese Platzierung ist natürlich nicht die Welt, aber bei dem Suchbegriff bleib ich jetzt mal dran und optimiere da mal noch ein bisschen.

Als nächstes werde ich schauen, ob ich mich woanders noch verlinken lassen kann, d.h mein Netzwerk dazu anstiften.

Natürlich: Wenn Sie Webtexte bei mir in Auftrag geben, dann wird da nicht ewig dran rum gebastelt: da gibt es ein Konzept, einen Zeitrahmen und ich schaue, wie ich SEO gleich mit einbinden kann: Also Konzeption, Werbetext und SEO aus einer Hand.

Hach jetzt bin ich schon wieder in Eigenwerbung abgerutscht. Sorry.

Sep 03

Lügenmatjes

Eine bekannte Meeresfrüchtekette dekoriert die Serviette zu ihrem Fast-Food-Matjes mit einer Lüge:

“Fangfrisch” steht drauf.

Was (neben anderen möglichen Interpretationsmöglichkeiten, die hier aber nebensächlich sind) wohl ausdrücken soll, dass der Fisch frisch gefangen sei. Jetzt wohne ich aber in München und Meere befinden sich hier weit und breit keine. Da hoffe ich doch sehr, dass der Hering NICHT fangfrisch auf der Ladentheke landet, sondern zumindest eisgekühlt. Im Fall von Matjes habe ich da Glück: Der wird sowieso tiefgefroren, gesalzen und reift dann ein paar Tage im eigenen Bauchspeichelenzym zum Matjes.

Warum also mein Gezeter?

Na weil ich etwas lese, das mit dem was zu tun hat, das ich gerade im Mund habe und feststelle: das ist gelogen. Jetzt sagen Sie mal wie Ihnen eine Lüge schmeckt?

Ist doch nur Werbung, mögen jetzt viele einwenden. Eben drum, möchte ich entgegnen: da wurde bestimmt ein Werbetexter drangesetzt, der auch nicht billig war und den bezahle ich ja auch mit. Ich verspeise also eine Lüge und habe sie auch noch bezahlt und, weil das nicht genug ist: ich unterstütze dabei auch noch meine Konkurrenz.

Die Tragik eines Werbetexters halt.

Löblich dagegen: vor mir an der Fischtheke wurde eine Kundin bedient, die ihr soeben erstandenes Fischfilet wieder einfrieren wollte - und die Verkäuerin hat ihr davon abgeraten, weil der Fisch ja schon einmal gefroren gewesen ist. Das sei erwähnt, damit ich hier wenigstens ein gutes Haar am “fangfrischen” Fisch der Meeresfrüchtekette lasse.

Übrigens: das Matjesbrötchen war geschmacklich, zieht man die Lüge einmal ab, den Erwartungen entsprechend tadellos.

Aug 19

Sind Sie auch Nummer 1 bei google?

Wenn man meine Branche googelt (Werbetext Konzept München), dann kommt jetzt seit Neuestem meine Website an erster Stelle.

Falls Sie in Ihrer Branche auch mal ganz oben stehen möchten, e-mailen Sie mir doch einfach. Dann probieren wir das mal.

Jul 01

Geschäftsidee 3

Sie wollten schon immer mit Faulheit reich werden? So geht’s: Kaufen Sie sich ein Telefon und einen Computer und werden Sie

Freelance Pressure Coach

Darauf haben alle antriebsschwachen und unternehmungsunlustigen Unternehmer, Selbstständige und Freiberufler immer schon gewartet: eine Person der sie ihr Vertrauen, also Geld, schenken können und die ihnen dafür Dampf unterm Hintern macht: die ihnen Termine setzt, mit Kontrollanrufen Druck ausübt und ihnen in E-Mails und SMSen ins Gewissen redet doch bitte weniger rumzuhängen und mehr fürs Business zu tun.

Wem Freelance Pressure Coach zu emotionslos klingt, der kann auch Motivation Controlling oder Action Management dazu sagen.

Für den deutschen Markt hätte ich auch ein paar Namensvorschläge. Aber die soll ich hier nicht so einfach reinschreiben, sondern mir gefälligst teuer bezahlen lassen - meint meine Action Managerin Claudia Pitschke (die Hauptberuflich übrigens eine superbe Werbetexterin ist) und bei der ist es besser, wenn man macht, was sie sagt. Sonst muss ich, zusätzlich zum Tagessatz, auch noch Strafe an sie zahlen. Was übrigens das Geniale an dieser Geschäftsidee ist.

Jun 22

Zopfrock

Ja, wir waren jung. Wir legten die Kassetten mit dem Heavy Mix in den Cassettenrecorder, holten die Luftgitarren aus den Hosen und fuddelten uns mit den Helden des Leadgitarrismus unseren pubertistischen Pathos aus dem Leib: Den Zorn der Jugend. Die Pose gegen das Establishment. Den Lärm der Gefühle. Den Schrei nach Liebe. Und das Besondere an uns: keine andere Generation Heranwachsender hatte eine so große Auswahl an frisch erfundenem Metal und ähnlichen Röcken, um ihr Testosteron zu musikalisieren, wie wir in den 80ern. (Von den vielen anderen Musikstilen, wie New Wave, NDW, House, Synthidance, Funk und und soll hier gar nicht die Rede sein.) Gerne erinnere ich mich an euch alle: an KISS und AC/DC, DEEP PURPLE und RUSH, IRON MAIDEN und BLACK SABBATH, WHITESNAKE und JOE SATRIANI, DREAM THEATRE und METALLICA, GENESIS und DIO und wie Ihr alle heisst, die ihr uns in so vortrefflicher Manier dabei geholfen habt uns von der Kindheit zu verabschieden. Danke für den herrlichen Krach von damals. Aber jetzt sind wir erwachsen. Und das seit 20 Jahren.

Und Ihr? Rockmusiker? Warum ziehen sich so viele von euch immer noch Leberwursthosen an, hängt euch Pimmelinstrumente vors Gemächt und schrubbelt Verzerrtes aus euren Lenden. Freunde, ihr müsst doch alle mindestens schon 60 sein? Wollt ihr ewig rocken, dass die Falten krachen? Das beschämt uns reife, emotional gefestigte Männer, die wir ja gerne mit Attitüde erwachsen geworden sind. Aber wollen wir mit der gleichen Haltung auch noch alt werden?

Moi, non.

Wann schneidet Ihr ihn endlich ab, den Zopf von damals, den Rock? Wie soll das enden mit der Rockmusik? Als Diddlmaus der Musikattitüden? Das hat sie wahrlich nicht verdient. Seht euch den Keith und den Mick an. Die diddeln, pardon, dudeln seit 50 Jahren immer das Gleiche. Die Spießer, die alten.

Es ist so einfach, sich selbst treu zu bleiben. Vielleicht ist es das Einfachste von Allem.

Jun 21

Lauschdilemma

Manchmal denke ich mir: Och so ein bisschen Radio hören jetzt, wär doch ganz nett. Aber immer, wenn ich das Ding dann anmache, höre ich nur sechs oder acht Takte und habe genug Radio gehört. Und jedesmal denke ich mir: Verdammt, warum kannst du es nicht machen, wie alle anderen und einfach NICHT hinhören. Es einfach laufen lassen. Die Musik ein Bächlein sein lassen, das den Alltag umspielt, begleitet, beschwingt und dabei irgendwas anderes tun: arbeiten, putzen, lesen, essen, basteln, stricken, häkeln, sitzen und gucken, autofahren oder so. Aber das geht nicht. Ich bin zum Lauschen verdammt. Ich höre immer auf alles: auf Taktarten und Grooves, Bassdrums und HiHiats, Arrangenments und Melodien, Harmonien und Tonartenwechsel, Bluenotes und Pause, Sounds und Effekte, Musikstile und Mixings und so weiter und so weiter und ich weiss nach drei Takten Radiohören, dass die nächsten drei Takte fast genauso klingen werden, wie die sechs oder acht, die ich gerade eben gehört habe und langweile mich zu Tode. Das ist, wie wenn ein Autofreund an der Straße steht und Autos beobachtet: nach drei vorbeifahrenden Modellen wirds langweilig - und seine Alternativen etwas Abwechslung in die Beschäftigung mit Autos zu bringen sind begrenzt: soll der Autoliebhaber Kfz-Mechaniker werden? Oder Autorenn-, Taxi- oder Lastwagenfahrer? Soll er einen Job bei BMW annehmen oder anfangen Oldtimer herzurichten? Das Radio scheint sich für die Oldtimer entschieden zu haben. 99% aller Radioformate machen ja nichts anderes, als Oldies im Original rotieren zu lassen oder Musik zu spielen, bei der versucht wird bewährte Song-, Harmonie- und Melodiemuster zu entrosten und zu verchromen. Echte Überraschungen oder poppige Lauschspannung, wie ich sie benötige, um Spaß am Hören zu haben, gibts da kaum.

“Leg doch ne CD ein, die du magst” werden viele jetzt denken. Das ist sehr nett gemeint, bringt mich aber nicht aus dem Lauschdilemma: die Pop-CDs oder Platten, die ich zu Hause habe, die kenne ich alle. Und immer was neues kaufen, in der Hoffnung, nach dem 3ten Hören der neuen Platte immer noch überrascht zu werden, das ist von Pop-Musik ja auch nicht zu leisten. Dabei liebe ich Pop-Musik - solange sie mich überrascht.

Womit wir beim eigentlichen Dilemma wären: wieviel Überraschendes darf ein Pop-Song haben, um noch ein Pop-Song zu sein? Und warum höre ich eigentlich keinen Dschäs?

Ach ja, der Dschäs. Das Thema ist ein eigenes Posting wert.